Grundbildungsinitiative der LEB im ländlichen Raum

LEB eröffnet neue Perspektiven

Seit 2013 setzt sich die LEB in verschiedenen Projekten für eine nachholende Grundbildung und breite öffentliche Kommunikation des Phänomens „funktionaler Analphabetismus“ ein. Unter dem Titel „Grundbildungsinitiative der LEB im ländlichen Raum“ nutzen wir im aktuellen Projekt ab Januar 2019 unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Akteuren der Arbeitswelt, Jugend- und Sozialämtern der Landkreise wie auch Beratungsstellen (z. B. Verbraucherzentrale), um durch Bildungs- und Sensibilisierungsangebote die gesellschaftliche Teilhabe von funktionalen Analphabeten in den Regionen Altmark, Anhalt-Wittenberg und Harz zu fördern.

Für funktionale Analphabeten aus dem SGB II-Bereich bieten wir in Kooperation mit den Jobcentern in Salzwedel, Stendal und Wittenberg Kursmaßnahmen in Vollzeit über jeweils 9 Monate mit Grundbildungsangeboten im Umfang von 400 Stunden an. In diesen Kursen zeigen wir den Teilnehmer*innen, was sie bereits können und wie sie ihre Grundkompetenzen weiter verbessern, um die individuellen Herausforderungen im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag zu bewältigen. Unterstützt wird dieses Lernangebot durch die Möglichkeit in begleitenden Praxiseinheiten Arbeitserfahrungen zu sammeln. Während der gesamten Maßnahme werden die Lernenden von uns sozialpädagogisch betreut. Darüber hinaus motivieren wir Kursabsolventen und weitere Interessierte ihre schriftsprachlichen Kenntnisse u. a. auch berufsbegleitend aufzufrischen bzw. zu erweitern. Das hierfür entwickelte zielgruppenunabhängige Kursangebot mit flexiblen bedarfsorientierten Modulen umfasst 60 Stunden.

Mit unseren Angeboten im Schwerpunkt der Sensibilisierung möchten wir in einen offenen Austausch zum Thema „Analphabetismus“ treten und ein Bewusstsein für die individuelle Situation der Betroffenen schaffen. In den Seminaren sensibilisieren wir beispielsweise Vermittler*innen und Berater*innen aus den Jobcentern zu den Erscheinungsformen des funktionalen Analphabetismus, um ihnen zu helfen betroffene Kunden zu erkennen und im persönlichen Gespräch über Hilfs- und Lernangebote zu informieren. Im Sinne der aufsuchenden Bildungsarbeit der LEB richten wir unsere Sensibilisierungsangebote überdies an Gruppen und Vereine im ländlichen Raum. Sie besitzen hier – als Orte gesellschaftlicher Teilhabe – eine wichtige Multiplikatorenrolle, die es ermöglicht nicht nur funktionale Analphabeten selbst, sondern auch Helfer*innen und Vertrauenspersonen Betroffener zu erreichen. Unsere Erfahrungen in der Sensibilisierung von z. B. Frauenzentren, Gruppen der Arbeiterwohlfahrt, Volkssolidarität und anderen regionalen Verbänden zeigen, dass es im Kreis ihrer Mitglieder bereits vielfältige Berührungspunkte zum „funktionalen Analphabetismus“ gibt. Gleichzeitig wird aber nur selten offen und aktiv mit erkannten Problemen in der Schriftsprache umgegangen. Mit unseren Angeboten möchten wir dieser Scham und Tabuisierung entgegen wirken. Die Teilnehmer*innen sollen angeregt und motiviert werden selbst über das Thema aufzuklären und funktionale Analphabeten zum nachträglichen Schriftspracherwerb bzw. zur Inanspruchnahme dauerhafter Lernangebote zu ermutigen. In den Veranstaltungen verdeutlichen insbesondere Texte von Lernenden und ehemaligen funktionalen Analphabeten, dass Betroffene zu keiner Zeit ihre Lese- und Schreibschwierigkeiten angesichts der vielschichtigen Herausforderungen im privaten wie beruflichen Leben als unüberwindbar hinnehmen sollten.

Sie möchten gerne mehr über uns und unser Projekt erfahren? Nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf. Ansprechpartner ist Herr Dr. Ralf Gladigau.

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.